Ungebremster Pestizideinsatz

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Stuttgart, 24.10.2015 – Zum Einsatz von Pestiziden in der Produktion von Obst und Gemüse informierten am heutigen Samstag Greenpeace-Aktivisten Verbraucher vor der Lidlfiliale in der Blumenstraße 18-20 in Stuttgart Mitte. 30 Aktivisten standen unübersehbar vor der Filiale um auf den Missstand aufmerksam zu machen. Es wurden von den Verbrauchern Unterschriften gesammelt und dem Filialleiter ein entsprechendes Anschreiben übergeben.

Der Protest ist Teil eines Aktionstages in 38 deutschen Städten, der sich an die Supermarktketten Aldi, Edeka, Lidl, Kaufhof, Real und Rewe richtet. „Pestizide schaden der Artenvielfalt“ lautet die klare Botschaft der Protestplakate. Pestizidkanister mit Gefahrensymbolen weisen auf die von Spritzmitteln ausgehenden Gefahren für Tiere und Pflanzen hin.
 
Neue Umfrage: Verbraucher sind gegen Gift auf dem Acker

81 Prozent der Verbraucher ist es wichtig, dass die Landwirte den Pestizideinsatz reduzieren. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von Greenpeace. „Der Handel trägt Verantwortung für die saubere Herstellung seiner Waren – nicht nur für die Qualität der Produkte im Supermarkt“, sagt Sonja Schlosser von Greenpeace-Stuttgart. „Die Unternehmen müssen mit ihren Produzenten dafür sorgen, dass weniger gefährliche Pestizide zum Einsatz kommen.“

Forsa befragte im Oktober 2015 bundesweit 1001 Personen. 81 Prozent gaben an, dass es ihnen „wichtig“ (25 %) oder sogar „sehr wichtig“ (56 %) ist, dass weniger chemisch-synthetische Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt werden – auch wenn in den Äpfeln im Laden kaum noch Rückstände enthalten sind. 55 Prozent der Befragten befürworten die Einführung einer Pestizid-Abgabe für Landwirte und Pestizidindustrie. Diese könnte die durch Pestizide verursachten Kosten für die Reinigung von Trinkwasser und zusätzliche Lebensmittelkontrollen mitfinanzieren sowie ökologische Alternativen fördern.

Äpfel nur gering belastet – Produktion mit immer mehr Agrargiften

Die Belastung von Äpfeln mit Pestiziden liegt in aller Regel unter gesetzlichen Grenzwerten. Aktuelle Greenpeace-Tests von in Deutschland angebauten und in großen Supermärkten gekauften Äpfeln ergaben: 88 Prozent der konventionellen Ware war mit Pestiziden belastet. Zwar lagen keine Werte über den Höchstmengen, doch 51 Prozent der konventionellen Äpfel enthielten Pestizidcocktails von zwei oder mehr Wirkstoffen. Die Wirkungen von solchen Gemischen sind weitgehend unbekannt. Alle getesteten Bio-Äpfel waren frei von Rückständen. „Damit ein Apfel schön aussieht, nimmt der Handel ein hohes Risiko in Kauf. Für makelloses Obst werden Mittel wie Captan eingesetzt, die als wahrscheinlich krebserregend gelten“, sagt Sonja Schlosser. „Der Einzelhandel muss klare Vorgaben für die Produktion machen und diesen alltäglichen Wahnsinn beenden.“
Greenpeace-Tests von Wasser, Boden und Pflanzen in Apfelplantagen belegen den hohen Gifteinsatz. Zur Ernte hin reduzieren Landwirte den Einsatz, um die Grenzwerte in den Äpfeln einzuhalten (www.greenpeace.de/zeitreihe-pestizide). Viele Supermärkte machen den Produzenten Vorgaben zu Rückständen in Obst und Gemüse. Sie haben jedoch keine wirksamen Programme, um Pestizide im Anbau zu reduzieren.



 

Weiterführende Links

Ergebnisse der Umfrage
Testergebnisse Pestizid-Belastung

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