Vortrag Forstwirtschaft Holzweg

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Greenpeace Stuttgart lud mit dieser Veranstaltung zu einer breiteren Diskussion auch außerhalb von Forstamtsstuben ein.

Die Vorträge von László Marász, Forum Umwelt und Entwicklung und Tanja Pfeiffer, Greenpeace Stuttgart finden Sie am Ende des Artikels..

Wem gehört der Wald? Waldflächen in Deutschland haben unterschiedliche Eigentümer. Dies können Private Einzelbesitzer sein oder auch Kommunen, Bundesländer oder die Bundesrepublik Deutschland. Somit sind jede Bürgerin und jeder Bürger in Deutschland Waldbesitzende. Jeder Miteigentümerin, jeder Miteigentümer kann sich informieren und über die politischen Vertretungen Einfluss auf die Forstverwaltung nehmen.

Im Chat und der anschließenden Diskussion wurden einige nähere Fragen gestellt. Diese werden hier von Greenpeace Stuttgart beantwortet.

Im Chat und der anschließenden Diskussion wurden einige nähere Fragen gestellt. Diese werden hier von Greenpeace Stuttgart beantwortet.

Holzeinschlag, Zuwachs

Unter Zuwachs wird die Menge Holz verstanden, die in einer bestimmten Zeiteinheit nachwächst. Die Wälder in Deutschland wurden jahrhundertlang übernutzt. Deshalb sollte im Durchschnitt nicht mehr als 50% des Zuwachses gefällt werden. Damit eine positive Bilanz des Holzvorrats im Wald erzielt wird.

Die Bäume in heimischen Wäldern sind mit einem Alter von durchschnittlich 77 Jahren3 sehr jung. Sie werden meist schon gefällt, wenn sie gerade erst beginnen, in größeren Mengen CO2 zu binden4 und wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten zu sein. Lediglich 14 Prozent5 der Wälder sind älter als 120 Jahre und nur 3,2 Prozent6 sind älter als 160 Jahre.

Stilllegungsflächen

Die Nationale Biodiversitätstrategie sieht vor bis 2020 5% der Waldfläche sich selbst zu überlassen. Bei den Angaben zum tatsächlichen Stand werden oft Zahlen ohne die Bezugsgröße genannt. Zudem werden keine Angaben zur Größe der einzelnen stillgelegten Fläche gemacht. Stilllegung wird auch Prozessschutz genannt. In dieser Fläche wird kein Holz geerntet. Menschen dürfen den Wald betreten, spazieren und forschen. Wichtig ist dabei eine dauerhafte rechtlich Absicherung, dass sich der Wald dort natürlich entwickeln darf. Für Baden-Württemberg sind das die Bannwaldverordnungen und Gesetze zu Nationalparken. Einzelne Waldbiotope oder Habitatbaumgruppen sind nicht rechtlich abgesichert und erfüllen nicht die Mindestgröße von 0,8 ha.

PEFC und FSC

Einen Vergleich von Waldwirtschaftssiegeln finden Sie am Ende des Artikels als Anhang.

Wiederaufforstung

Überlässt man Wälder sich selbst, dann entscheidet der jeweilige Standort, welche Baumgemeinschaften am besten an ihn und seine klimatischen Veränderungen angepasst sind: Sie wachsen, passen sich den Umweltveränderung dynamisch an, werden widerstandsfähig und bieten vielen verschiedenen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Diese Naturverjüngung passiert ohne Eingriff durch den Menschen – ganz von selbst und kostenlos. Der Begriff dazu heißt Naturverjüngung. Statt weiter in die Natur einzugreifen, muss den durch Dürre, Feuer oder Insekten geschädigten Waldflächen der notwendige Raum und die Zeit gegeben werden, sich selbst zu regenerieren und sich an die klimatischen Veränderungen anzupassen. Großflächige Räumungsarbeiten würden zusätzlichen Schaden anrichten: Die kühlende und Feuchtigkeit haltende Wirkung der mit dem Totholz im Wald verbleibenden Biomasse würde zerstört. Der Waldboden würde weiter austrocknen und geschädigt werden. Lässt man abgestorbene Bäume im Wald, spart das nicht nur Kosten und Energie, sondern es ist vor allem von wesentlicher Bedeutung für die natürliche Waldentwicklung.

Wuchshüllen

Wuchshüllen sind Hülsen aus Kunststoff um neu angepflanzte Bäume. Sie werden eingesetzt um Wildverbiss zu verhindern. Gepflanzte Bäume sind oft weniger widerstandsfähig als Bäume aus Naturverjüngung., sie haben beschnittene Wurzeln und einen Standortwechsel hinter sich. Widlverbiss lässt sich auch mit Zäunen oder durch das Belassen von umgefallenen Bäumen verhindern. Diese wirken als natürliche Barriere und sorgen auch für mehr Feuchtigkeit.

Eichenfreistellung

Dies bedeutet Nachbarbäume von Eichen zu fällen, damit diese besser wachsen können. In der Regel entspricht dies nicht einer naturnahen Waldwirtschaft. Begründet wird dies zum Teil mit Artenschutzmaßnahmen. Hier gilt es genau nachzufragen, welche Arten damit gefördert werden sollen und ob es sich hierbei um ein FFH-Gebiet mit dem Schutzzweck Eiche handelt. Die Artenvielfalt hängt vom Alter eines Baumes ab, auch alte Buchen können vielen Arten Lebensraum bieten.

Auflichtung was ist das:

Unter Auflichtung wird das Öffnen des Kronendachs verstanden. Dies erfolgt durch das Fällen von Bäumen. Auf diese Weise kommt im Sommer mehr Licht auf den Waldboden. Die Ökosysteme der mitteleuropäischen Wälder sind an den unterschiedlichen Lichtverlauf während des Jahres angepasst. Im Winter sind die Laubbäume kahl, am Boden ist Licht. Diese Zeit nutzen die Frühblüher für ihre Entwicklung. Mit dem Blattaustrieb schließt sich das Kronendach, der Boden wird beschattet und bleibt kühler. Im Herbst fallen die Blätter und bilden eine schützende Decke auf dem Boden. Diese bindet Feuchtigkeit auf der Oberfläche und schützt vor Austrocknung. Dieses Prinzip macht sich beim ökologischen Gärtnern zunutze. Durch Mulchen der Beete kann die Erosion über den Winter verhindert werden. Mit den Auflichtungsmaßnahmen im Wald wird dieses natürliche Zusammenspiel gestört. Waldtypische Frühjahrsblüher werden bedroht.

Fällung zur Verkehrssicherung

Hier wurde im Chat diskutiert. Die Rechtslage der Verpflichtung zur Verkehrssicherung bestehe ausdrücklich nicht für Wanderwege oder ähnliches. Es gibt Urteile dazu, dass waldtypische Gefahren für den Waldbesucher nicht komplett verhindern werden können.

Kaskadennutzung

Anstelle Bäume zu fällen, daraus Hackschnitzel herzustellen und direkt zu verbrennen, ist es klimaschonender den kostbaren Rohstoff Holz für Häuser und lange haltbare Möbel zu nutzen und dieses genutzte Holz erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Energieerzeugung einzusetzen. Beim direkten Verbrennen von Holz wird der während vieler Jahre darin aufgebaute CO2-Speicher sofort

wieder freigesetzt. Im Vergleich zur Verwendung von fossilen Brennstoffen kann die Wärmegewinnung mit Holz klimaverträglicher gestaltet werden wenn: Holz aus regionaler Herkunft verwendet wird, der Wald ökologisch und nachhaltig bewirtschaftet wird, Pellets aus industriellen Holzabfällen verwendet werden und bei der Herstellung der Pellets keine fossilen Brennstoffe oder Palmöl eingesetzt wurden.

Verpflichtungen eines Waldbesitzers

In den jeweiligen Landeswaldgesetzen sind Vorgaben zum Umgang eines Waldbesitzers mit dem Wald geregelt. Meistens besteht eine Verpflichtung geschädigte Bäume, z. B. wegen Borkenkäfer aus dem Wald zu entfernen. Und eine Verkehrssicherungspflicht.

Wirtschaftlichkeit der Forstbewirtschaftung

Greenpeace Stuttgart hat 2020 beim Landesrechnungshof Baden-Württemberg nach Informationen bezüglich Kosten-Nutzenrechnung der praktizierten Forstwirtschaft angefragt. Da Kosten für die Räumung von Schadholz, die reguläre Holzernte, die Anpflanzung etc. entstehen und welchen Gewinn durch den Holzverkauf. Der Landesrechnungshof antwortete, es lägen dazu keine Angaben vor.

 

Quellen

3 Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2016): Der Wald in Deutschland, 2 Auflage April 2016. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Bundeswaldinventur3...

4 William R. Moomaw, Susan A. Masino, Edward K. Faison (2019): Intact Forests in the United States: Proforestation Mitigates Climate Change and Serves the Greatest Good. Frontiers in Forests and Global Change. https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/ffgc.2019.00027/full

5 Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2016): Der Wald in Deutschland, 2 Auflage April 2016. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Bundeswaldinventur3...

6 Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2016): Der Wald in Deutschland, 2 Auflage April 2016. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Bundeswaldinventur3...

Links

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/mythen_ueber_den_deutschen_wald.pdf

https://www.greenpeace.de/waldvision

https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/die-zukunft-der-waelder-d...

https://www.foresters4future.com/

https://forst.brandenburg.de/lfb/de/themen/wald-besitzen/beratung/verkehrssicherungspflicht/

https://greenpeacefilmfestival.org/film/le-temps-des-forets/

Publikationen

Weiterführende Links

Mythen über den deutschen Wald
Waldvision für Deutschland
Waldvision für Europa