Waldwende: Echte Wälder jetzt!

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Ein Waldgipfel für Baden-Württemberg hinter verschlossenen Türen.

Am 02.09.2019 wurde der sogenannte Notfallplan für die Forstbetriebe im Innenministerium vorgestellt. Die Veranstaltung war nicht öffentlich.
Greenpeace Stuttgart hatte die Teilnehmer trotzdem begrüßt, am Eingang des Innenministeriums mit dem Bannerspruch

"Echte Wälder jetzt!"

Der Spruch zeigte Wirkung, denn wir wurden mehrfach gefragt, was echte Wälder seien.
Das sind naturnahe Wälder, in die nur selten eingegriffen wird. Nicht die Produktion von Holz steht an erster Stelle, sondern
Klimaschutz, Artenschutz und Naherholung.

Echte Wälder haben deutlich mehr Schutzzonen als jetzt, wo natürliche Sukzession stattfinden kann und gar kein Holz geernet wird.
Echte Wälder speichern wesentlich mehr Treibhausgase als konventionell bewirtschaftete, sind resistenter gegen Stürme und Trockenphasen,
und lassen sich dennoch rentabel bewirtschaften. Modellprojekte zeigen das.

Greenpeace Stuttgart ruft das Ministerium für Ländlichen Raum auf, die Protokolle des Waldgipfels zu veröffentlichen. Und eine Bürgerbeteiligung zum Thema Waldschutz im Beteiligungsportal-Baden-Württemberg einzuleiten. Dabei soll es Ziel sein die Bevölkerung in der Vergabe von Steuermitteln anzuhören und die Wünsche der Bürger zur Art der Bewirtschaftung öffentlicher Wälder zu erfragen.

Die Forstwirtschaft der letzten 200 Jahre zeigt mit dem fortschreitenden Klimawandel ihre Schwächen auch in Baden Württemberg. Verbändevertreter, Waldexperten und Greenpeace fordern Echte Wälder statt der vorhandenen Forstplantagen und Holzfabriken. Wir appellieren an die Teilnehmer des Waldgipfels am Montag im Innenministerium eine sachkundige Fehleranalyse des eigenen Wirkens der Forstbehörden vorzunehmen.

Dazu weisen wir nochmal auf den offenen Brief an Bundesministerin Julia Klöckner hin. https://www.stuttgart.greenpeace.de/artikel/waldwende-stuttgart-jetzt.

In diesem werden Ruhepausen für den Wald als essentiell bezeichnet. Statt einem hektischen Waldumbau, soll eine natürliche Waldentwicklung zu mehr Naturnähe erfolgen.

Um der Waldkrise effektiv entgegenzuwirken, fordert Greenpeace die Umsetzung der folgenden drei Sofortmaßnahmen:

1. Schutzgebiete für die Urwälder von Morgen

Lediglich ein Drittel der Waldfläche in Deutschland gilt als naturnah und nur 4 % der Waldfläche ist vom Holzeinschlag ausgeschlossen. Mindestens 10 % der Waldfläche sollten unter Naturschutz gestellt werden, sodass sich dort wieder echte Wälder entwickeln können. Hierbei sollten insbesondere seltene Waldökosysteme, und auch gefährdete , besonders naturnahe Wälder Beachtung finden. Hierfür können finanzielle Anreize geschaffen werden.

2. Naturnahe Waldnutzung fördern

Die Bäume müssen wieder groß, alt und stark werden dürfen, um künftigen Wetterextremen standhalten zu können. Mit weniger und schonenden Eingriffen, können größere und ältere Bäume geerntet werden. Durch die natürliche Waldverjüngung wachsen neue Bäume und Baumarten, die an den Standort angepasst sind nach. Die Umstellung von Forstbetrieben auf eine naturnahe Waldnutzung soll ausschließlich mit heimischen Baumarten erfolgen.

3. Schadflächen stilllegen und von der Natur lernen

Statt weiter in die Natur einzugreifen, sollten wir durch Dürre, Feuer oder Insekten geschädigten Waldflächen die Möglichkeit geben, sich selbst zu regenerieren und sich an den Klimawandel anzupassen. Großflächige Räumungsarbeiten würden den Waldboden weiter austrocknen und schädigen. Ein Beispiel, wie sich geschädigte Flächen innerhalb kurzer Zeit aus eigenen Kräften in einen Mischwald verwandeln, findet sich am Lotharpfad in Baden Württemberg.

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