Stellungnahme von Greenpeace zu Stuttgart 21

Themengebiet:
Umwelt & Wirtschaft
  • "Keine Anzeige" - Das Greenpeace Magazin zu Stuttgart 21
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Greenpeace Stuttgart und die Zentrale von Greenpeace Deutschland in Hamburg erreichen immer wieder Anfragen, warum sich Greenpeace nicht für oder gegen das Projekt Stuttgart 21 engagiert. Lesen Sie nachfolgend, weshalb Greenpeace zu Stuttgart 21 nicht aktiv ist.

Greenpeace arbeitet zu Energie, Artenvielfalt der Wälder und Meere sowie zu Gentechnik und Landwirtschaft. Zu dem Projekt Stuttgart 21 arbeit Greenpeace nicht. Daher sind wir nicht die richtigen Ansprechpartner oder Experten für dieses Projekt.

Greenpeace verfolgt aber die Debatte und sieht Parallelen zu ähnlich umstrittenen Vorgehensweisen der Politik. So mussten wir erleben, wie sich die Regierung in Berlin gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung entschieden und die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert hat.

Wir hoffen, dass sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger Menschen mit friedlichen Demonstrationen auf Missstände aufmerksam machen. Und wir erwarten, dass die Zeit zu Ende geht, in denen die Politik die Bevölkerung oder sogar Mehrheiten übergeht.

Bei Stuttgart 21 stellt sich die Frage, welche anderen Aufgaben nicht mehr erfüllt werden können, um dieses Projekt zu finanzieren, besonders wenn die Kosten explodieren. Solche Prestigeprojekte führen unweigerlich dazu, dass an anderer Stelle Geld fehlt. In Hamburg zeigt das die Elbphilharmonie, deren Kosten in die Höhe schießen. Dafür fehlt das Geld für Bildung und Kindertagesstätten. Wer zahlt die Zeche? Es werden die Steuerzahler und die Bahnfahrer sein.

Es ist erstaunlich, wie leicht der Bahn die Entscheidung für ein Projekt wie Stuttgart 21 fällt, denn mit dringenderen Aufgaben tut sie sich schwerer, beispielsweise der Umstellung ihrer Energieversorgung. Wer heute Bahn fährt, bewegt sich vor allem mit Atom und Kohlestrom. Und die Bahn denkt auch nicht um. So hat Bahn-Chef Grube in einer Anzeigenkampagne für die Atomindustrie für Laufzeitverlängerung von gefährlichen Atomkraftwerken geworben.

Gleichzeitig unterstützt die Bahn als Hauptabnehmer den Bau eines gigantischen Klimakillers: "Datteln 4" in Nordrhein-Westfalen. Dieses Kohlekraftwerk wird jährlich sechs Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre ausstoßen. Zudem wird ein großer Teil des des Bahnstroms im Atomkraftwerk Neckarwestheim erzeugt.

Wenn es darum geht, auf Erneuerbare Energie umzustellen, nennt die Bahn immer die Kosten und die Wirtschaftlichkeit als Hindernis. Aber wer Prestigeobjekte wie Stuttgart 21 bezahlen kann, muss zuerst seine Aufgaben im Kampf gegen den Klimawandel und für eine zukunftsfähige Energieerzeugung machen.